Eine kritische Betrachtung des Alapilio Muiscals:
Story
GrundsÀtzlich
Die Story ist aus meiner Sicht der grösste Schwachpunkt. Klar erwarte ich nicht von einem Musical, dass es das Rad völlig neu erfindet. Die GrundsÀtze sind dieselben wie immer bei Musicals. Zuerst eine Heile Welt, dann ein Problem dass es zu Lösen gibt, das Problem wird irgendwie gelöst, und durch die Geschichte durch noch eine kleine Lovestory. Aber:
Die Moralpredigten
Was mich störte, waren die vielen moralischen Aspekte. Ăberdeutlich kamen die altbekannten Botschaften rĂŒber;”Gewalt ist scheisse, man kann ja reden”, “Wir sollten aufhören unseren Planeten zuzumĂŒllen”, “KlimaerwĂ€rmung”, “Es herrscht Krieg und ich armes Kind musste auswandern”, “ich ausgewandertes Kind werde vom Staat zurĂŒckgewiesen” e.t.c.
Klar, das sind alles wahre Gegebenheiten. Doch wenn ich ein Musical schaue, fĂŒr das mit “zauberhaftes Musical” geworben wird, erwarte ich farbenfrohe Unterhaltung die Freude ausstrahlt. Ich will nicht all die tristen Themen die ich tagtĂ€glich schon zu Gesicht bekomme, nochmals aufgestempelt bekommen. Ich erwarte ablenkende Unterhaltung. Tja, falsch erwartet.
Und die Moral von der Geschicht
Man kann die ganzen Moralpredigten ja auch an sich vorbeirieseln lassen. Aber wenn man die Botschaften konsequent ernst nimmt, muss man auch die Botschaft ernst nehmen, dass wenn man als AuslĂ€nder vom Staat zur Ausreise gezwungen wird, lediglich schnell einen Schweizer heiraten muss, um im Land bleiben zu dĂŒrfen. Das wĂ€r dann die logische “Moral aus der Geschicht”, was wahrscheinlich nicht so gedacht ist, und man daher all die anderen Moralsachen nicht mehr so ernst nehmen kann.
Man merkt beim Lesen dieser Zusammenfassung bereits: Was nach farbenfrohen, fröhlichen halb-fantasy-Musical tönt, ist eigentlich ein tristeres moral-drama mit wenigen fröhlichaspekten.
Musik
Die Musik ist, wie die Story bestimmt auch, geschmackssache. Rein Qualitativ war die Musik hochstehend. Fast alle Texte konnte man problemlos verstehen und es war gut abgemischt. Mir persönlich waren die Kompositionen zu wenig “bombastisch”. Ich bin da eher Fan von klassischem wie “Evita” oder “Jesus Christ Superstar”, wos dann so richtig Fett daherkommt.
Die Band spielt ziemlich rockig, und dazu gibt es entweder Solos, oder Komplettchorgesang mit rund 30 Leuten. Oft tönte es aber nicht viel anders als klassische Pop-Songs die man im Radio hört. Zum Teil hatte es schon richtig Schlager-AllĂŒre (bei den kitsch-liebes-szenen), wo ich einfach mit dem Musikstil schon nichts anfangen kann.
Ich bin der Meinung, dass wenn man schon so viele Leute auf der BĂŒhne hat, das ganze auch entsprechend Fett tönen darf. Und mit Fett meine ich nicht nur die Instrumente, sondern eben auch der Gesang, der viel völler hĂ€tte daherkommen können.
Machart
Gesang
Meiner Ansicht nach, waren alle SĂ€nger und SĂ€ngerinnen gut bis sehr gut. Allerdings war niemand dabei bei der/dem ich jetzt hĂ€tte sagen mĂŒssen:”wow, diese Stimme haut mich jetzt wirklich um”.
Tanz
Auch TanzmĂ€ssig war immer etwas auf der BĂŒhne los. Die TĂ€nze waren sehr abwechslungsreich. Von BalletĂ€hnlichem bis Breakdance war alles mal zu sehen. Da gibts meinerseits nichts auszusetzen.
BĂŒhnenbild
Da muss ich schon mal sagen, dass ich erwartet hatte dass das ganze grösser ist. Ich war daher ein wenig enttĂ€uscht von der “kleinigkeit” der BĂŒhne. Das BĂŒhnenbild ist gut umgesetzt, und wurde mit zusĂ€tzlichen Elementen wie kĂŒnstlichen Kerzen auch immer wieder mal aufgewertet. Trotzdem machte das ganze irgendwie einen ziemlich statischen Eindruck, welcher die Performance emotionsmĂ€ssig nicht unterstĂŒtzen konnte.
Fazit
Wer sonst kein Musical-Liebhaber ist, wird wahrscheinlich auch keine Freude an diesem Musical haben. Es fehlt das Pompöse, Grossartige was gewisse Musicals mit sich bringen, und jeweils auch Musicalunerfahrene begeistern können.
Wenn man sich im klaren ist, dass es nicht ganz so ein farbenfrohes, fröhliches Musical ist, wie Plakate oder Àhnlich anmuten lassen, wird man bestimmt nicht so enttÀuscht von der Story wie ich, und kann sich durchaus unterhalten lassen. Musikalisch ist es kein Highlight, aber gut umgesetzt.