31 Mar
2009 by Phil

Haare schneiden

Heute war es soweit. Die herangewachsene Mähne musste weg!
Also platzte ich unvorangeküdingt in eine Lokalität rein, die von aussen aussah wie ein Frisöörlokal. Es sah auch drinnen aus wie bei einem Frisöööör, ausser dass gerade niemand sich die Haare schneiden liess und die einzige Person dort drin am TV schauen war.
Da ich nicht wusste was Frisör auf Japanisch heisst und ich aber mein Japanisch ohne wildes herumgestikulieren anwenden wollte, fragte ich ob er ein Haare schneidender Mensch sei, da ich meine Haare schneiden möchte.
Es schien so, als sei er ein solcher Mensch. Ich fragte nach dem Preis und willigte ein.

Ich sass also auf dem Stuhl, schon voll zugedeckt mit Schürze e.t.c. und meine Haare wurden Nassgesprayt. Dann kam endlich die Frage, von der ich befürchtete sie käme schon gar nicht mehr: “Wie kurz solls denn sein”. Ich sagte die hälfte, und Ohren frei.
Wow, und da legte er los. Wie eine Mähmaschine schneidete er meine Haare ab mit einer Schere die so tönte als wär sie so streng zu bedienen wie ein Nussknacker beim Nussknacken. Es gab ein ganz klein wenig Smalltalk, woher ich komme und so. Und er meinte dann, mein japanisch sei gut, und ich antwortete mit “nein, nicht wirklich” so wie ich es in der Schule gelernt habe dass man dies Antworten müsse, egal wie gut man bei etwasem ist. Ein japaner würde nie sagen: “Ja ich bin gut”.
Nach höchstens 10 Minuten war der Haarschneidepart fertig und ich dachte das wars jetzt. Denkste!

Der Stuhl kippte nach hinten, und plötzlich klebte mir ein ziemlich heisses, feuchtes Tuch auf dem Gesicht. Nach dem ersten Schockmoment allerdings noch recht chillig. Das Tuch kommt weg und ich werde mit Schaum eingeschmiert. Aha, rasieren ist angesagt. Na ok, soll mir recht sein. Im gegensatz zum Haare schneiden, war das Rasieren mit dem Rasiermesser Präzisionsarbeit. Es war schon fast so, als würde er jedes Haar einzel abschneiden. Er zerrte an der Haut rum, um zu fühlen ob noch irgendwo ein Barthaar hervorsteht. Das verwendete Klappmesser sah aus, als hätte der Frisööör es von seinem Vater bekommen hat der es von seinem Vater bekommen hat der es von seinem Vater bekommen hat der es in einem Antiquitätsladen gekauft hat. Ziemlich stylisch mit so einem Ding rasiert zu werden.
Er rasierte wirklich das ganze Gesicht… unter den Augen, auf der Nase und auf der Stirn, wo ich ziemlich sicher bin, dass kein Mensch irgendwelche Haare hat.
Danach gings mit einer Spezialschere auf die Suche nach Nasenhaaren. Jetzt ist dann fertig, dachte ich.

Da hab ich tatsächlich plötzlich irgend ein Stab im Ohr, der sich anfühlt wie die Dinger, die von den Kaminfegern verwendet werden. Einfach für Ohren… nicht für Kamine.
Ich konnte mir beim Gedanken an gewisse Personen, die bei einer solchen Ohrenpenetration an die Decke springen würden, ein Lächeln nicht verkneifen.
Nach dem Ohrenzeugs war dann aber Fertig. Das Gesammtrasieren hatte etwa 20 Minuten gedauert. Mein Gesicht fühlt sich an wie ein Babypopo.

Bei der Frisur hab ich ihn machen lassen, da ich wusste dass ich das nach einer Dusche wieder gut machen kann (und gemacht habe). Aber so sah es unmittelbar danach aus:
newhairstyle

Ich hab mich in der Schweiz noch nie rasieren lassen, daher weiss ich nicht wie das vergleichsweise ist. Allerdings… es war mal was neues, vor allem wenn man denkt “Ich lass mir mal schnell die Haare schneiden”

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