Wundersamerweise konnten wir am letzten Tag unser Auto wieder unversehrt in Edinburgh zurück geben. Das navigieren innerhalb der Stadt war dabei definitiv die heikelste Autofahrt der gesamten Reise. Zwei mal wurden wir von anderen Autofahrern angehupt… wieso auch immer.
Nach einer letzten Übernachtung in der Jugendherberge hiess es am Morgen ganz früh aufstehen. Einen einzigen Vorteil hatte das noch. Morgenröte.

Das wars dann aber schon wieder von den Reiseberichten. Aber ich werde ja bestimmt wieder weg gehen. Bis dahin darf man hier auch ruhig weiterlesen 
Ihr könnt mir natürlich auch ganz viel Geld spenden, dann reise ich für euch irgendwo hin und berichte dann darüber. Fände ich eine Superidee.
Zurück in Edinburgh bekamen wir wieder ganz schön viele Strassenkünstler zu sehen. Unter anderem dieser Zauberer/Magier/Whatever, der versuchte sich aus einer Zwangsjacke zu befreien.

Betonen müsste man im vorherigen Satz das Wort “versuchen”. Das Ganze endete nämlich in einer recht peinlichen Aufführung.
Eine Zwangsjacke hat nämlich den Zweck, dass man sich nicht davon befreien kann. Und genau diesen Zweck erfüllte sie auch hier. Der Künstler konnte sich noch so erbärmlich am Boden herum winden und die Jacke mit Schweiss vollsaugen lassen. Es half alles nichts. Fremdschämend schauten wir dem “Wurm” über 15 Minuten lang zu, bis er dann resignierte und jemanden im Publikum bat, die Gurte weniger eng zu schnallen.
Dann ging es nochmals rund 5 Minuten bis er dann wirklich wieder all seine körperlichen Freiheitsgrade erlangt hatte.
Einen kleinen Applaus gab es dann trotzdem. Geld aber nicht. Die Ausrede war im übrigen: “Es ist eine ganz neue Zwangsjacke”.
Scheinbar, denn sie funktionierte noch Einwandfrei….
So, ich bin mit meinen 2-Wochen-Timeshift ein wenig aus der Bahn geraten. Ausreden gibt es da wohl keine, ausser:
Ich hab einen neuen turbomässigen Ultra-Ass-Kicking PC from Hell + es war schlecht Wetter + Ich hab schon lange nicht mehr gezockt + Assassins Creed II ist schon noch gut + Ich musste all meine Farbstifte wieder mal spitzen + Ich musste meine Wohnung umbauen, sprich: Einen Vorhang mit Klebeband neu anmachen weil die bisherige Konstellation der Schwerkraft zum Opfer gefallen ist.
Nun aber zurück zur Reise. Langsam mussten wir wieder Richtung Edinburgh fahren. Also taten wir das auch.
Wir wurden erstmals in einen Stau involviert weil, und jetzt kommt das Problem. Es gibt kein “weil”. Wir haben beim besten Willen nicht herausgefunden was den Stau verursachte… plötzlich ging es einfach wieder weiter.
Ein wenig verspätet kamen wir dann in Dundee an. War auch nicht schlecht die Stadt. Das viele Fotografieren hatten wir allerdings langsam satt und so gibt es jetzt hier genau nur ein Foto:

Die grosse Szene erlebten wir allerdings am Abend. Nichts Ahnend machten wir es uns in einem stylischen Retrostyle-Restaurant gemütlich. Wenig später folgte dann ein “Paar” und ihre 3 Kinder. Ich habe hier “Paar” absichtlich in Anführungszeichen geschrieben, denn wenn die zu diesem Zeitpunkt nicht bereits getrennt lebten, dann tun sie das unterdessen bestimmt.
Die Kinder (ca. zwischen 5 und 7) waren überhaupt nicht das Problem. Sie verhielten sich verhältnismässig ruhig und fragten bei dem Kellner eigenständig nach Farbstiften und Zeichenvorlagen, mit denen sie sich dann lange beschäftigen konnten.
Bei den Eltern sah es irgendwie anders aus. Die stritten unermüdlich miteinander bis der Mann resignierend den Kopf in seine Hände legte und die Frau mit den Tränen kämpfte. Immer alles schön vor den armen Kindern.
Man sah am Umgang der Eltern auch an, dass sie irgendwie mit den Kindern überfordert waren. Das, obwohl ich immer noch der Meinung bin dass die sich sehr gut aufführten.
Während dem Essen telefonierte dann die Frau mal gut 10 Minuten mit ihrer Mutter (soweit ich das mitbekommen habe). Dann wurde wieder wegen kleinsten Kleinigkeiten das Kriegsbeil ausgegraben.
Irgendwie hat die Frau dann bemerkt, dass die ganze Szene von uns nicht unerkannt blieb und wendete sich an uns mit folgender Ansprache:
“Hey Guys, bleibt unbedingt Single! Als ich noch Single war hatte ich ein super Leben aber jetzt ists einfach Scheisse. Und auf keinen Fall Kinder! Glaubt mir, ich weiss wovon ich rede”
Und das sagt die vor ihrem Mann und den Kindern… DEN KINDERN verdammt nochmals. Die Armen… soll ich die gleich adoptieren?
Ich antwortete mit der einzigen Antwortmöglichkeit die mir in dem Moment einfiel: Ein ich-nehms-mal-zur-Kenntnis-aber-hab-keine-Lust-über-den-Bullshit-den-du-gerade-rausgelassen-hast-zu-diskutieren “Mkay” und wendete mich wieder ab.
Kurz darauf verliessen wir das Lokal und verabschiedeten uns mit einem kurzen “bye”. Das nenn ich mal eine Familienkrise.
Der erste Tag an dem wir nicht in den Highlands herum fuhren, sondern auf dem “Boden blieben”. Im Flachland ging es lange der Küste entlang. Hier entstanden folgende Fotos:



Irgendwann um die Mittagszeit herum begegneten wir dieser Szene:
Sieht man es schon?
OK, dann noch ein bisschen näher:

Auf einer Parkbank sitzen und den Leuten zusehen – OK!
Immer wieder mal aus dem Fenster gaffen – von mir aus…
Der Nachbarin mit dem Feldstecher beim Duschen zuschauen – OK!
Mit dem Teleskop auch intime Planetenstellen beobachten – OK!
Ganz alleine auf einem Stuhl in einer gläsernen Ecke sitzen und beobachten was rundum geschieht – WTF?!
Wir haben in diesem Dorf gegessen und die Gegend ein wenig zu Fuss erkundet und können bezeugen, dass die Frau mindestens anderthalb Stunden in ihrem “Schaufenster” verbracht hat.
Ich meine, ja, ältere Menschen sind nicht mehr ganz so Mobil und scheuen vielleicht die frische Luft (so wie ich, die Grafik draussen ist einfach nicht so bunt wie die am Computer), aber das hier finde ich dann doch ein wenig too much. Aber ja, jeder darf da seine eigene Meinung haben.
Unsere Männerherzen durften dann höher schlagen, als wir an einem Militärflughafen halt machten und startende und landende (laut meinen verrosteten Militärflugzeug-Kenntnissen) Tornados beobachten konnten.

Man beachte bei diesem Fotos die vielen Suizid-Vögel die darauf warten in eine Kampfjetturbine reinfliegen zu dürfen.

Ich glaube, heute war wettertechnisch der schlechteste Tag. Viel Regen und stellenweise auch Nebel. Und zwar war es genau dort neblig, wo es laut Reiseführer superwunder-Eden-mässig schön sei. Aber Nebel ist auch schön, jaja.
Das häufige Überholen wurde langsam zur Normalität. Wenn es so weiter geht, werden wir wohl bis ende Ferien nur noch rechts fahren.
Abgesehen davon dass wir im Applecross Inn gegessen haben, welches als “Scottish Dining Pub of the Year” gekürt wurde, gibt es Heute wieder weniger zu berichten. Ausser vielleicht noch…. hab ich das mit dem Nebel schon erwähnt?
Na dann, hier die nicht-Nebelfotos.




Heute fuhren wir der nordöstlichen Küste nach. Da gibt es nicht viel an Zivilisation. Dafür Klippen, Strände und oh Wunder. Schafe.
Zum Mittagessen fanden wir tatsächlich ein kleines Kaffee, wo wir uns letztendlich aber einfach in der Küche einer Privatperson befanden und warteten bis sie die Suppe und die Sandwiches fertig zubereitet hatte.
An diesem Tag (ich war dran mit fahren) überholte ich so viele Autos wie in meinem ganzen Leben noch nie (Autobahn ausgenommen). Aus uns unverständlichen Gründen, gab es dort übermässig viele Fahrer/innen, die auch auf geraden Strecken knallhart 40 statt 60 Meilen pro Stunde fuhren. Das sind dann doch etwa 65 km/h statt 96 km/h, was auf längeren Distanzen schon ziemlich viel ausmacht.
Glücklicherweise kamen immer wieder lange Geraden, wo man dann die Schnecken überholen konnte. Aber da gab es auch noch dieses eine riskantere Manöver… gell Beat
… aber wir leben beide noch.
Nun zu den Fotos.
Dieses Schild fand ich einfach super. Bei uns gibt es ja auch Schilder bezüglich keine Hunde und so. Aber nicht mit der Begründung, dass Schafe in Panik geraten und von den Klippen springen könnten. Woohooo, panicking suicide sheeps.

3 Schafe:

Wow, mal etwas anderes als nur grün:

Es lauern dunkle Wolken, entladen sich glücklicherweise aber erst hinter uns.




Tatsächlich haben wir auch einen Sandstrand gefunden.

Strasse, Grün, See, Grün, See.

Und dann ist man so mitten in der Pampa und was gibt es da? Einen fucking Spar Markt!!!

Damit das mit dem Links fahren auch immer schön klappte, mussten wir uns entsprechend vorbereiten:

So nochmals zur Erinnerung: Die ganze Schottlandreise wird zwei Wochen Time-Shifted erzählt. Ich bin also in der richtigen Zeitlinie schon zu Hause.
Da mein Magen immer noch nicht wieder im Normalbetrieb war, kaufte ich mir da irgend so ein Zaubermittel:

Und es nützte tatsächlich was. Ich will zwar gar nicht wissen, woraus dieser Rosa Schleim besteht, denn die Reste im Trinkbecher plastifizierten sich da irgendwie… aber man sieht ja zum Glück nicht, wie das im Magen aussieht.
Im übrigen sieht es mit der Essenskultur in Schottland auch nicht viel anders aus wie in England. Da gibt es z.B. Lasagne mit Pommes Frites und so. Und auch bei Fischgerichten wird praktisch alles noch irgendwie fritiert.
Anyway, heute war kein Sight-Seeing-Tag, sondern es ging darum, ganz nach zu oberst zu kommen. Thurso hiess es dort und ist auch wieder recht Touristisch. Daher:

Zur Übersicht dafür aber mal unsere Route die wir bisher zurückgelegt haben:

Gestern Abend habe ich mich an das Schottische Nationalgericht herangewagt. Haggis.
Photo by Tessa Watson
Haggis ist gehackte Schafsinnerein gekoch im Schafsmagen. Schmeckt eigentlich gar nicht so schlecht. Wie Hackfleisch einfach mit anderer Konsistenz.
Trotzdem war der Schafsmagen nicht so ganz kompatibel mit meinem Magen und so blieb der Appetit den ganzen Tag fern. Die kurvenreichen Strassen halfen da auch nicht gerade der Besserung.
Wieder fuhren wir in verlassenen Gegenden umher.

Aber es gab ja immer wieder Schafe und Ziegen die man nach dem Weg fragen konnte. “tschuldigung, wo ist die nächste Tankstelle?”

Mal wieder ein Blick auf die Strasse.

Und wieder fahren wir an unzähligen Lochs vorbei und auch das Meer zeigt sich immer wieder mal.



Wir kamen auch am Loch Ness vorbei, von dem wir aber nicht mal ein Foto gemacht haben. Im Vergleich zu anderen Lochs ist jetzt das Loch Ness nicht besonders Ultra oder so. Einfach ein See.
Nessie ist dort aber noch voll ein Thema und es wird viel Geld damit gemacht. Zum Beispiel kann man Bootsrundfahrten mit Sonar machen, um Nessie aufzuspüren und solchen Quatsch.
Meinem Magen ging es auch am Abend nicht viel besser und so war früh Schlafen angesagt.